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Die Tage des „dunklen“ Mittelalters waren längst vorüber als ab dem Jahr 1000 die ersten romanischen Bauwerke Gestalt annahmen.
Nochmals 1000 Jahre später wirkt sie immer noch auf uns, die Romanik: durch Burgruinen und vor allem durch die großen Dome. Wir stehen ihr näher als den anderen Baustilen. Warum eigentlich? Zweifellos liegt es an unserem durch den Modernismus und seine Vorliebe für klare Baukörper geprägtem Auge. Wenngleich wir uns selbst am sinneverwirrenden Barock begeistern können, bleibt dieser uns im Grunde (leider) fremd. Die Romanik ist uns nicht fremd, denn auch sie entwarf mit klar ablesbaren Baukörpern, wählte klare Formen. Auch ihre Einfachheit, Sachlichkeit spricht uns an. Und ihre Monumentalität ergreift uns. Auch die gotischen Kathedralen ergreifen uns; aber ihre dem Laien schwer nachvollziehbare Statik, ihre bis ins höchste getriebene Filigranität, dieses Zerfließen in Richtung Himmel sind Attituden, die die Allgemeinheit nicht mehr versteht. Dankbar blicken wir also auf die ruhigen und klar gegliederten Fassaden der Romanik. Und wir erfreuen uns an ihrem Schmuck. Einfach nur hoch ist nicht automatisch monumental, ja denken wir an die Bauwerke unserer Zeit, so fallen eher Beschreibungen wie monoton, langweilig, steril. Gliederung, Verzierung und bewusste, immer auch abwechslungsreiche Formung der Baukörper zeugen dagegen die romanische Monumentalität.
Reizvoll tritt hier aber auch ein „Dunkel“ hinzu. Es ist kein abwertendes „Dunkel“, wie es die allzu selbstbewusste und darüber immer wieder schnoddrige Aufklärung nicht nur dem überlieferungsarmen frühen Mittelalter anhaftete, sondern überheblich gleich dem ganzen Mittelalter. Aber vielleicht lässt sich das „Dunkel“ ja auch besser ausdrücken als „Geheimnis“. Wie war es nach den vielen Jahrhunderten seit dem Untergang Roms so plötzlich, so aus dem nichts wieder zu grandiosen Bauwerken gekommen? Die das Mittelalter abwertende Aufklärung konnte natürlich kein Licht ins Dunkel bringen. Und so wurde manches romanische Bauwerk eher als römisch angesehen; vom Glanz unter Karl dem Großen, Otto dem Großen, den Saliern und Staufern hatte man keinen Begriff mehr.
Alles verschwamm: römisch und romanisch. Daher dann auch der durchaus überraschende Stilbegriff „romanisch“, was schließlich fast wie „römisch“ klingt. Dieser entstand im frühen 19. Jahrhundert, als man endlich zu sortieren, zu differenzieren begann. Und es zeigte sich, dass der Begriff „Romanik“ schlussendlich (und eher zufällig) doch gut gewählt war. Zwar hatten die romanischen Bauwerke nur noch sehr wenig mit römischer Baukunst zu tun, aber sie verdankten ihr über die Zwischenschritte karolingische und ottonische Architektur sehr viel. Obwohl es nur noch wenige Ähnlichkeiten gab, war die Romanik tatsächlich aus römischer Baukunst entstanden.
Der Begriff „Romanik“, der ja auch die Weiterentwicklung andeutet, er darf dement-sprechend als gelungen gelten. Ganz anders als z.B. die absurde Bezeichnung „Gotik“, von der italienischen Renaissance in haarsträubender Unkenntnis und gezielter Abwertung ins Leben gerufen. Als die Gotik in Frankreich erfunden wurde, hatte sie zweifellos fränkische Wurzeln, aber nicht mal als letzten Hauch gotische.
Noch bis ins frühe 13. Jahrhundert entwickelte sich die Romanik in Deutschland, bevor sie von der in Frankreich schon lange angebrochenen Gotik mehr und mehr zu den neuen Gestaltungsideen transformiert wurde. In diesen fast 250 Jahren durchlief auch die Romanik selbst eine große Entwicklung und schuf eine enorme Bandbreite von Lösungen für die Außen- und Innenarchitektur. Und sie hatte riesiges Glück. Denn das Jahr 1000 bedeutet auch für die Baukunst eine fast kurios anmutende Scheidemarke. Alles vor ihr kann nur auf wenige erhaltene Bauwerke verweisen, gleich ob römisch, merowingisch oder karolingisch, ja selbst die über die genannte Jahrtausendwende hinaus-greifende ottonische Baukunst musste noch dramatisch Federn lassen. Was aber nach dieser Wende...

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